Mittelindien 2016, Teil II


Berge im Thane-Distrikt ("Mahalaxmi") - Maharashtra


Teil I, Chhattisgarh: Bei den Adivasi, den Ureinwohnern Mittelindiens

 

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Wasserbüffel mit Diwali-Schmuck auf dem Weg zum Erntedankplatz, Rhesusaffen vor einem Grab, Ernte auf einem hölzernen Ochsenwagen


Teil II: In den Bundesstaaten Madhya Pradesh und Maharashtra

Volkskunst, Höhlen- und Wandmalereien

und
Bilder aus dem Leben der Ureinwohner

 

Bereits 2003 und 2006 hatten wir die buddhistischen und hinduistischen Hochkulturdenkmäler angesehen. Nun wollten wir uns vor allem noch einmal mit den Ureinwohnern, ihrer Lebenssituation im modernen Hindu-Indien, ihrer Weltanschauung und ihren künstlerischen Produkten beschäftigen. Mein Reisebericht von 2003 Ins Innere Indiens enthält u.a. schon Informationen über Diwali, das Fest der Lichter und der Geschenke, die Volksstämme der Gond und der Bhil und über die vorgeschichtlichen Höhlenmalereien.

Auf dieser Reise sind wir auf stilistische und inhaltliche Übereinstimmungen zwischen den Wandmalereien unterschiedlicher Ureinwohner-Stämme und den steinzeitlichen Höhlenmalereien gestoßen. Diese künstlerischen Darstellungen bilden einen Schwerpunkt dieses Berichtes.

Darüber hinaus berichte ich in meinen Schilderungen auch über einige buddhistische und hinduistische Kunstwerke, über die religiösen Vorstellungen und den Alltag der ländlichen Bevölkerung. Zum Schluss zitiere ich aus der seit 1970 neu entstandenen Adivasi-Literatur.

 

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Hausanstrich, geschmückter Wasserbüffel, ein geschmückter LKW zum Fest Diwali

 

1. Hinduistische Volkskunst zum Erntefest Diwali

Neben den farbigen Dekorationen der Tiere und der LKW zum Lichterfest Diwali, über das ich schon im Reisebericht von 2003 berichtet habe, sehen wir zum ersten Mal die plastischen Boden-Skulpturen aus Kuhdung am Straßenrand und in den Höfen bei Bhopal und zwischen Mandu und Ujjain.

Während viele indische Frauen die Böden ihrer Hütten und den Vorplatz mit Kuhdung glätten, der sich nach kurzer Zeit zu einer harten und geruchlosen Oberfläche erhärtet, sind andere damit beschäftigt, große Figuren aus Kuhdung zu formen.

Damit erinnern sie am 4. Tag des Lichterfestes an ein mythisches Ereignis. Gott Krishna hob nach der Legende den Berg Govardhan hoch, um die Bewohner vor Unwetter und Regenfluten des Regengottes Indra zu schützen. Deshalb werden der schützende Berg, die gefährdeten Tiere und Menschen und der Retter Krishna/Vishnu mit Dung nachgestaltet, mit Blumen und Reis geschmückt und verehrt. (Govardhan Puja - "Annakoot" d.h. eine Menge Korn)

Andere erinnern auch an den Sieg von Rama/Vishnu über den Dämonen Ravana oder an den Sieg der Göttin Durga über den Büffeldämonen Mahishasura. Von einigen wird der Tag auch im Gedenken an das Kind Krishna, das eine Kuhherde beschützte, mit einem Berg von Nahrungsmitteln begangen.

Die naturverbundenen Adivasi begehen das Fest eher als Erntedankfest, wobei Krishna als beschützender Naturgott gesehen wird, dem für eine gute Ernte zu danken ist, damit die folgende Ernte ebenfalls gut ausfällt. Sie danken an diesem Tag auch ihren Ochsen und Kühen, indem diese ein Extrafutter bekommen, geschmückt und gefeiert werden durch Umzüge, Rituale mit Feuerwerkskörpern und Schüssen in die Luft, um die bösen Geister zu vertreiben.

 

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Kuhdung zum Glätten des Bodens und zur Darstellung der göttlichen Natur als Bodenfiguren aus Kuhdung und als im Kreis eingeschlossene Berge mit Tieren, Brunnen und Menschen (in Kugelform)

 

2. Vorgeschichtliche Höhlenmalereien

Weitere künstlerische Ausdrucksformen sehen wir in den vorgeschichtlichen Höhlenmalereien von Pachmarhi und Bhimbetka, südlich von Bhopal, von denen einige 30 000 Jahre alt sein sollen.

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Kampf-Elefanten in den Höhlen von Pachmarhi

Hoch in den Bergen von Pachmarhi leben auch heute noch viele Gonds. Nicht weit von den Felsunterkünften fanden wir auch noch Toten-Gedenkbretter unter einem heiligen Baum mit den Symbolen Sonne und Mond und einem Reiter mit Pferd, obwohl die Ureinwohner keine Pferde besaßen, aber die arischen Eroberer aus dem Norden kamen mit Pferden. Indian Rock Art : Pachmarhi Explored - Bra

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Höhlenmalerei aus Pachmarhi und Bhimbetka:
Grenzzaun eines Dorfes mit Frauen und Kindern; Reiter mit Schutzhelmen und Schwertern; Kämpfer zu Pferd und mit Schild

Sieben Entstehungsperioden wurden festgestellt. In dunklem Rot finden sich viele Tiere wie Bison, Tiger und Nashörner aus der ältesten Periode. Aus späterer Zeit stammen auch Menschendarstellungen in Jagdszenen mit Speer und Bogen, der Transport von erlegten Tieren, Trinkgelage, Beerdigungen, Tanzformationen, Mütter mit Kindern, Musikinstrumente und Vögel. Aus der historischen Zeit, in der die Felsüberhänge und Höhlen bewohnt waren, stammen wohl Reiter, Wagen, Götter- und Geisterfiguren mit weißer, roter und gelber Farbe gemalt. Aus dem Mittelalter sollen die mit Holzkohle gezeichneten Bilder stammen. The Rock Art of Central India

 

3. Die buddhistischen Bauwerke von Sanchi

Sanchi liegt knapp 50 km nordöstlich von Bhopal (Madhya Pradesh) und ist eine der bedeutendsten buddhistischen Pilgerstätten in Indien.

Einen ganz besonderen Höhepunkt künstlerischer Tätigkeit erleben wir durch die wunderbaren Steinskulpturen aus buddhistischer Zeit in Sanchi, die etwa 300 v. Chr, entstanden sind.

 

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Symbol-Szenen aus einem Torbogen, die negatives Verhalten darstellen. - Verehrung von Buddha als Baum durch Menschen und Affen. - Ein Affe bringt eine Schale Honig.

Der Stupa von Sanchi ist 17 Meter hoch und gilt den Wissenschaftlern als der Idealtyp des buddhistischen Stupa. Er ist ein massiver, fensterloser Reliquienschrein und erfüllt allein eine symbolische Funktion: Ausdruck des eigenen Glaubens und Wegweiser zur Lehre Buddhas. Der Legende nach beherbergt jeder Stupa mindestens ein Aschekorn von Buddha. Während die Pfeiler von Zaun und Balustrade nur mit wenigen Schmuckreliefs (Blumen und Tiere) und einigen Stifterinschriften versehen wurden, sind die vier Torbögen überaus reich mit Reliefs und vollplastischen Figuren geschmückt. Die Reliefs erzählen zumeist Legenden aus der reichen buddhistischen Überlieferung (jatakas) mit Geschichten aus den zahllosen früheren Existenzen Gautama Buddhas, der als Erleuchteter (Bodhisattva) unzählige Leben durchlebt hat, ohne ins Nirwana eingehen zu wollen, da er − erfüllt von Liebe und Mitleid − anderen Menschen helfen wollte, zur Erleuchtung zu gelangen. Buddha ist nicht in seiner menschlichen Gestalt abgebildet, sondern in verschiedenen Gestalten (als Elefant, als Fußabdruck, als Stupa, als Rad, als Baum etc.).

Die vier steinernen Torbögen (toranas) sind nach den vier Himmelsrichtungen ausgerichtet, was den universalen Charakter des Stupas bzw. der buddhistischen Lehre unterstreicht; sie wurden kurz nacheinander errichtet, denn an unterschiedlichen Toren finden sich dieselben Stifternamen. Jeder der über 8 Meter hohen Torbögen besteht aus zwei seitlichen Pfeilern, die oben mit jeweils drei monolithischen Bögen verbunden bzw. verzapft sind.

Die acht ältesten Stupas in und bei Sanchi sowie eine der berühmten Ashoka-Säulen wurden während der Regentschaft König Ashokas (ca. 268–232 v. Chr.) errichtet; seine Frau stammte aus der Nachbarstadt Vidisha. Weitere Stupas und andere religiöse Bauwerke (Tempel, Klöster) wurden − meist im Rahmen von Stiftungen − bis zum 12. Jahrhundert hinzugefügt, bis der Buddhismus schließlich durch den erstarkenden Hinduismus und den von Westen vordringenden Islam fast vollständig aus Indien verdrängt wurde.

 

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Vier Torbögen (8 m hoch) markieren den Übergang von der profanen in die sakrale Wel; sie sollen Unheil abwehren und Glück bringen.
Meist sind Legenden aus dem Leben Buddhas dargestellt, aber auch die Leid verursachenden Kräfte,
die drei Maras, die Lust, Unzufriedenheit und Gier symbolisieren,
die Buddha überwinden muss auf dem Weg zu der Erleuchtung, dass alles eine Illusion ist.

 

4. Die Wandzeichnungen der Warli, der Bhil u.a. Volksstämme (ausführlicher Bericht über das Volk der Baiga in Teil I)

 

Die Wandmalereien verschiedener Volksstämme finden sich als traditionelle Bräuche bis in die Gegenwart hinein, werden in Volkskundemuseen für die jüngere Generation gezeigt und teilweise auch von der Tourismusindustrie vermarktet.

Die Warli sind eine über 400.000 Menschen zählende indigene Volksgruppe (Adivasi) im indischen Bundesstaat Maharashtra (meist im Thane-Distrikt etwa 150 Kilometer nördlich von Mumbai), The Warlis by K. V. Save.

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Typische Motive in den Bildern: Dorfleben mit arbeitenden Menschen in Häusern und zwischen verschiedenartigen Bäumen Hühner und Brunnen;
rechts: Wasser- oder Schlammspiele zu Beginn der Regenzeit...

Traditionell werden die Warli-Malereien zu zeremoniellen Anlässen wie Hochzeiten oder Erntefesten von verheirateten Frauen mithilfe eines Bambusstabes und weißer Farbe aus Reispaste auf einer Grundlage aus Kuhdung und rotbrauner Erde auf eine Wand der Hütte gemalt. Inzwischen wird auch von Männern mit weißer Acrylfarbe auf mit Kuhdung grundierten Leinwänden gemalt.

Die geometrischen Grundformen sind Dreieck, Kreis und Quadrat. Im Mittelpunkt steht der Chauk, der durch viele Schmuck-Borten von der profanen Welt abgegrenzt ist. Im Innern steht die vierarmige Göttin mit den kosmischen und menschlichen Symbolen Sonne und Mond und Leiter und Kamm.

Die Warlimalerei erzählt sowohl vom Reich der Götter und Geister als auch wie die Warli wohnen, ihre Felder pflügen, welche Instrumente sie spielen, wie sie tanzen und welche Pflanzen und Tiere sie umgeben.

 

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Tarpa-Tanz, ein Kreistanz, der den kosmischen Zirkel darstellen soll. Die Tänzer werden angeführt vom Tarpa-Bläser und dürfen ihm nie den Rücken zudrehen.
Am Anfang der Reihe führt ein Tänzer mit einem Stab die Tänzer in wechselnde Kreisrichtungen nach rechts oder links. Das Tarpa-Instrument besteht aus einem Flaschenkürbis, Bambus und Bienenwachs.
Rechtes Bild: Hochzeitsbild mit Sonne, Mond, Stern, die Göttin der Fruchtbarkeit mit vier Armen, vier Hausgöttersteine, Viehherde mit Hirten, Berge, Reisernte, Mutter mit Kind und eine Leiter.

Die Wandbilder zur Hochzeit


Namen des Brautpaars in Hindi
(reitendes Brautpaar, arbeitende und tanzende Menschen und weltanschauliche Symbole rechts unten im Viereck:
Sonne, Mond, Stern, Göttin, Hausgötter, Berge, Mutter mit Kind, Viehherde...)

 

Ein paar Tage vor der Hochzeit beginnen die Maler mit der Arbeit. Im Hause der Braut und in der Hütte des Bräutigams malen verheiratete Frauen einen heiligen Chauk ( = Rechteck von ca 70 mal 50 cm) an die Trennwand zwischen Küche und Hauptraum. Der erste Strich muss in jedem Fall von einer verheirateten, fruchtbaren Frau gezogen werden. Bei der Arbeit werden die Maler von zwei Witwen mit epischen Gesängen begleitet.

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Diese beiden Warli-Maler Jivya Soma Mashe und Vanashya Bujad besuchten wir in ihren Gehöften.
Linkes Bild: im Chauk die Göttin Phalgat, Sonne, Mond, Leiter und Kamm. Vor dem Bildnis der Göttin findet später das eigentliche Hochzeitsritual statt.
Rechtes Bild: Berge der Landschaft mit Tieren und Göttin, Torbogen mit Blättern, Hochzeitszug mit reitendem Paar, Tänzer und Arbeitsszenen aus dem bäuerlichen Leben

 

Die Wandmalereien der Warli zeigen Ähnlichkeiten mit den Wandbildern der Saora in Orissa, einem Bundesstaat an der Ostküste. In beiden Malereien finden wir geometrische Formen, Die Strichzeichnungen werden durch ausgemalte, weiße Dreiecke gefüllt- Eine ähnliche Darstellung mit Dreiecken fanden wir auch in Karnataka, einem Bundesstaat an der Westküste Indiens. Threads Together: A Comparative Study of Tribal and Pre-historic Rock Paintings

 

5. Die Gond


Die Gond sind eine Ethnie mit einer dravidischen Sprache. Das Volk mit etwa vier Millionen Angehörigen lebt in Zentralindien in der historischen Landschaft Gondwana, deren Name aus dem Dravidischen kommt und so viel wie „Land der Gond“ bedeutet.
Das hauptsächliche Siedlungsgebiet der Gond liegt im Staat Madhya Pradesh. Etwa zwei Millionen von ihnen sprechen die dravidische Sprache Gondi; die Gond-Bevölkerung im Bastar-Distrikt in Chhattisgarh spricht Bhatri, einen stark abweichenden Dialekt der indoarischen Sprache Oriya. Die Gond sind die größte Gruppe der Adivasi, der Ureinwohner Indiens, in Zentralindien.
Das raue und bergige Gebiet ist Teil des nördlichen Dekkans und hat eine durchschnittliche Höhe von 600 bis 700 Metern. Das Klima ist heiß und semiarid. Die natürliche Vegetation besteht aus trockenen Monsunwäldern und Sträuchern; große Gebiete sind von Wald bedeck. Dort wurden mehrere Nationalparks eingerichtet, in denen Populationen von Königstigern leben.

Jeder Clan verehrteine unnterschiedliche Anzahl von Götter (zwischen 5 und 12), aber der Hauptgott ist Bada Dev (Großer Gott) oder Bura Dev (Alter Gott). Bada Dev lebt in einem Saja Baum (Boswellia serrata). Deshalb ist der Saja Baum der heiligste Baum der Gonds, den sie nicht beschädigen dürfen. Bada Dev wird unter diesem Baum von Priestern der Pardhan-Kaste angerufen. Diese spielen ein Musikinstrument (Bana), damit der Gott im Baum erwacht.

Ähnliche Vorstellungen finden wir bei den Hindus, die glauben, ihr oberster Gott Shiva lebe in einem Peepal-Baum (auch Bodhi-Baum); weitere heilige Bäume sind der Bilb, der Sandal und der Mango-Baum. Bei ihnen gilt ein Abholzen des heiligen Baumes ebenfalls als Sünde. Am Fuß dieser Bäume befinden sich meist Opfersteine bzw. Symbole der Götter. Myths, Symbols and Mysteries: Shiva as Bada Dev: Gond Sym

 

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Beweis für die vorgeschichtliche Tradition der Gond durch das Mohenjo-Daro Siegel No.430 (2600-1900 v. Chr.) - Heutige Opferzeremonie für den Großen Gott der Gond, der im Saja-Baum lebt.

Zum Mohenjo-Daro-Siegel aus der Harappa Indus-Kultur: Die Gottheit im Baum und die knienden Verehrer tragen eine Kopfbedeckung mit Hörnern und einem belaubten Zweig in der Mitte. Diese Kopfbedeckungen werden vom Bison Horn Maria Stamm, einem Unterstamm der Gonds in Bastar, getragen. Alle Figuren auf dem Siegel tragen ein langes Kopftuch. Das erinnert an das lange, hängende Ende des Turbans, den Gondmänner tragen.


Die Opferorte der Gond sind mit Dreizacken, Zangen und einer langen Himmelsleiter ausgestattet, die vor Geistern und Vampiren schützen. Die Opfer, die meist einmal in einem bestimmten Monat an einem Wasser dargebracht werden, sind sehr unterschiedlich: mal muss es ein schwarzes oder gesprenkeltes Huhn, mal eine Henne und ein schwarzer Hahn, mal eine rote und weiße oder schwarze Ziege, mal fünf Hühner und Samen, mal ein schwarzes Schwein mit verschiedenen Beinen, mal ein roter Hahn, eine Fahne u. ein Schwert, ein Ei, eine Kokosnuss, eine beliebige Frucht wie Apfel, Bananen; Süßigkeiten, Cannabis-Blätter, Weihrauchstäbchen (alle 3 Jahre); Blumen, Milch oder eine Henne mit gegeneinander gestellten Flügeln sein.

Bana (auch kikri, vana) ist eine dreisaitige, mit dem Bogen gestrichene Spieß-Laute, die von männlichen Musikern der Pardhan-Kaste bei Opferritualen und zur Begleitung epischer Lieder gespielt wird. Die Pardhan, wohnhaft im Narmada-Tal, musizieren für bestimmte Gond-Familien, mit denen sie in einer sozialen und mythischen Beziehung stehen. Außerhalb der Volksmusiktradition in dieser ländlichen Gegend ist die Fiedel praktisch unbekannt. Für die Pardhan galt sie früher als Wohnsitz ihres Hauptgottes Bara Pen und besaß eine magische Schutzfunktion. Musiker einer Untergruppe der Pardhan, die Gogia, spielen ein anderes Instrument, die fünfseitige Bogenharfe Bin-baja.


Ein Bana-Spieler

 

Der Regengott Meghnath/Thakhur z.B. wird vor der Regenzeit (vor der Aussaat im Monat Shrawan, ab 23. Juli) mit einem Hahn, zwei Hennen, einer Kokosnuss, Weihrauchstäbchen und allen Getreidesorten verehrt. Kräuter werden vor dem Dorf verbrannt und es wird ein Kuhhorn geblasen, um die Geister zu vertreiben. Einige nutzen dabei auch Puppen einer Braut und eines Bräutigams. Sie beten dabei zu allen Göttern, opfern Getreide, Reismehl und Blätter des Saga-Baumes. Dann wird ein Bambuskorb während eines Neumondtages in den Feldern vergraben und die Götter werden gepriesen.

In ihrer Kunst erzählen sie hauptsächlich Geschichten und Mythen über ihre Götter. Die modernen Künstler der Gond nutzen eine spezielle Maltechnik, in der runde Muster bzw. gepunktete Figuren in verschiedenen Schichten übereinander gemalt werden. chhattisgarh - Neuenhofer

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Szenen aus dem Alltag, Jagd, Tanz - Seelenvögel auf dem Gedenkpfeiler.

Die traditionelle Kunst der Gond zeigt sich wohl nur in den Malereien auf den Gedenkpfeilern, die wir nur in Chhattisgarh gesehen haben. Daneben stellen sie auch Steine auf zum Andenken an Verstorbene und nennen sie in Gondi "Uraskal". Bei der Errichtung opfern sie ein Schaf, eine Ziege oder einen schwarzen Hahn. Sie glauben, dass ihre Vorfahren in diesen Pfeilern leben und sie beschützen. Manche Pfeiler sollen 3000 Jahre alt sein. A Study of Living Megalithic Tradition Among the Gond Tribes, District ...



Eine Frau wird vergewaltigt und wehrt sich mit einem Messer,
ein Hakenpflug, Büffel, Jagd mit Pfeil und Bogen.



Bilder mit Tieren und Verstorbenen, die sich in Geister-Tiere verwandelt haben.

 

6. Die Bhil (Bhil)

Die Wandmalereien der Bhil und Bhilala im westlichen Madhya Pradesh zeigen neben den Szenen aus dem alltäglichen Leben Pferde, Elefanten, Tiger, Vögel, Götter, Männer und Alltagsgegenstände und verschiedene mythologische Themen wie z.B. die Hochzeit der Götter Pithora und Pithori. Sie sollen Frieden, Reichtum und Glück bringen.

Kennzeichnend sind sieben Pferde, die die sieben Berge der Landschaft darstellen. Alles ist von einem rechteckigen Zahn umschlossen, in dem sich Felder, Bäume, Häuser, wilde Tiere, Vögel, Sonne und Mond mit Menschen und Vorfahren befinden. Die Mündung des Narmada wurde durch zwei Tiger bewacht. Insgesamt wird so eine kodierte Reise-Karte des Landes gezeigt. Die Leute, die diese Karte an ihrem Haus zeigten, nannte man „Rathwas“. Sie führten fremde Händler gegen Geld hinauf in die sieben Berge. In modernen Bildern werden auch Eisenbahnen, Autos, Flugzeuge, Computer dargestellt, eben alle Dinge des realen Lebens.

Ab 1812, nach einem Verbot durch die Briten, wurde die Pithora-Malerei zu einem Ritual zu Ehren des Gottes Pithora durch einen Schamanen. Nur die „Lakhadas“ dürfen das Bild malen und einweihen. Begleitet werden sie durch Lieder und Tänze. Dabei erzählen sie die Legende vom Königreich des Dharmi Raja, in dem die Menschen vergessen hatten zu lachen, zu singen und zu tanzen. Erst als der Prinz Pithora auf dem Rücken eines Pferdes zur Wohnung der Göttin Himali Harda ritt und von ihr die Fähigkeiten des Lachens, Singens und Tanzens mitbrachte, waren sie wieder glücklich und erinnern seitdem mit der Wandmalerei an das Geschehen. Pithora paintings, Gujarat and Madhya Pradesh, India | Gaatha, Mythen der Bhil | Hindumythen

 

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Ein schwarzes Pferd mit Reiter informiert alle, dass der Pferdegott Pithora gemalt wurde.
Im Gefolge von vier weißen Pferden, die sich anschauen, weitere Motive:
ein vielköpfiger Regengott, Tiere, zweiköpfige Pferde, Geisterwuschel, Pflüge, Elefanten, Kamele, Gefäße tragende Frauen, Palmsaftsammler, Bäume, Sonne und Mond...


Die Bhil sind das zahlenmäßig zweitstärkste Volk unter den über 420 indigenen Stämmen Indiens, denen in der Verfassung besondere Schutzrechte zugestanden werden. Sie machen etwa 1,1 % der indischen Bevölkerung aus. Ihr Anteil an den "scheduled tribes" beträgt fast 15 %. Insgesamt etwa 13 Mill. im Jahr 2001. (In Madhya Pradesh 4.619.068, in Maharashtra 1.818.792.)

Eine etymologische Deutung des Begriffs Bhil führt diesen auf das dravidische Wort billu „Bogen“ zurück. Diese Hauptwaffe der Bhil, in deren Umgang sie als geschickt geschildert werden, benutzen sie heute noch, wenn sie auf Jagd gehen.

Es gibt unterschiedliche Legenden ihres Ursprungs. Die am häufigsten erzählte führt den Ursprung des Volkes auf den Gott Mahadeo zurück, der mit einer Frau, die er im Wald traf, zahlreiche Kinder hatte. Ein bösartiger hässlicher Sohn, tötete den Bullen seines Vaters und wurde dafür in die Wälder verbannt. Seine Nachfahren bilden den Stamm. Das ursprüngliche Wohngebiet der nicht-arischen, dunkelhäutigen und körperlich kleinen Bhil war das gesamte heutige südliche und westliche Rajasthan und Teile Gujarats. Sie wurden von den zuwandernden Rajputen in unzugängliche, bewaldete Gebiete vertrieben. Zur Sicherung ihres Unterhalts, besonders in Jahren mangelnden Monsunregens, waren sie zu Viehdiebstählen und Raubzügen ins Umland gezwungen. Die Forderung der Kolonialherren, dass Steuern, Abgaben und Gebühren der Waldnutzung in barem Geld zu zahlen seien, zwang viele Bhil, die kaum von der Landwirtschaft leben konnten, weiterhin zu Diebstählen und Überfällen, so dass sie pauschal als „Wilde“ und „kriminell“ beschrieben wurden.

Reine Bhil-Siedlungen bestehen aus verstreuten Einzelhöfen. Der Vorsteher (jadvi) eines Dorfes ist einflussreich. Wo sie mit anderen Gruppen in Dörfern leben, halten sie sich getrennt in eigenen Weilern. Innerhalb des Kastensystems gehören sie zur untersten Klasse.

Die Bhil haben bis heute ein besonderes Verhältnis zu ihrer Umwelt bewahrt. Heilmittel für fast alle Krankheiten finden die Badwa, die Medizinmänner, in den umliegenden Wäldern. Allein aus dem in dieser Region weit verbreiteten Neem-Baum gewinnen sie vom Insektenbiozide bis zur Wundkompresse dutzende Wirksubstanzen und Produkte.

Große Wälder sind zu weit entfernt, als dass auch die heutigen Generationen die Lebensweise ihrer Vorfahren fortführen und als Nomaden jagen und sammeln könnten. Da sie darüber hinaus auf den jeweils unter den Söhnen aufzuteilenden kleinen Feldern mit dem Anbau von Mais und Weizen oft nicht einmal mehr die Versorgung der Familie gewährleisten oder gar Geld verdienen könnten, sind heute fast alle jungen Männer in der Region auf Arbeit in den Städten angewiesen.

Die Bhil gelten als sehr trinkfreudig, neben Palmwein (toddy) ist selbstgebrannter Alkohol aus Mahua-Blüten beliebt, einer Dornmelde (Bassia latifolia), die von 7-10 % Alkohol üblicherweise auf 15-30 % hochdestilliert wird. Von der Einführung der Besteuerung von Palmen zur Weingewinnung (toddy) und der nach 1878 sukzessiven Errichtung eines Alkoholmonopols waren sie besonders betroffen. Der traditionelle Alkoholkonsum beschränkte sich jedoch meist auf Toddy in der nahrungsmittelarmen Zeit vor der ersten Ernte. Toddy war hierbei eine wichtige (kostenlose) Kalorienquelle. Weiterhin war er – im Gegensatz zu den Brunnen mit in der Trockenzeit häufig brackigen Wassern – steril. Der Alkohol wird meist während der zweimonatigen Blütezeit, bei Familienfesten und zu den großen hinduistischen Festtagen wie Diwali, dann aber exzessiv, genossen.
Ein Bhil verkauft uns für 100 Rupien eine Flasche seines Lieblingsgetränks aus vergorenen Mahua-Blüten. Vor der Hütte liegen selbst gefertigte Körbe und für die Reisernte flache Korbschalen zum Worfeln. Dann lassen sie uns bittere, sauerampferähnliche Blätter probieren vom Feld nebenan. Er zeigt uns auch Bogen und Pfeile, die er mitnimmt zum Schutz gegen Bären, Tiger, Leoparden und Füchse, wenn er in die Berge geht.

Aus der religiösen Welt der Bhil

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Ein Bhil-Schamane, der zum Erntefest "Gwal/Krishna", dem Beschützer der Kühe, ein Fruchtbarkeitsopfer zelebriert, sich in Trance schüttelt und,
besessen vom Gott, Opfergaben verteilt und die Bauern mit Wasser bespritzt. Jetzt, im beginnenden Winter, wollen die Bauern den Segen für den Anbau von Weizen, Sojabohnen und Reis.

Trotz der eigenen ethnischen Religion bezeichnen sich fast alle Bhil auch als Hindu. Aber der Glaube an eine Wiedergeburt ist wenig verbreitet. Katzen gelten als Hexen und werden in Häusern nicht geduldet. Früher wurden Frauen, meist ältere Witwen, die als Hexe „erkannt“ worden waren, oft mit dem Kopf nach unten hängend an einen Baum geknüpft und zu Tode „geschaukelt“.

Ein merkwürdiger Bhil-Ritus ist der sogenannte Frosch-Regenzauber. Beim Ausbleiben des Monsunregens suchen junge Burschen Zweige und legen sich mit diesen unter Hersagen bestimmter Zauberformeln in Froschposition auf die Erde, um den Regen herbeizubringen. Dies erinnert an das Froschlied, in dem Brahmanen als Frösche gleichfalls in Verbindung mit dem Regen erwähnt werden.

Wirkung der christlichen Missionierung

Das christliche Nachrichtenmagazin CBN berichtet: Durch den Einsatz des einheimischen Missionars Dinesh Shur haben Hunderte von Angehörigen des Stammes der Bhil zum Glauben an Gott gefunden. Etwa 300'000 Menschen sind in den vergangenen zehn Jahren in den zentralen Regionen Indiens zum Glauben gekommen, viele von ihnen aus dem Stamm der Bhil, dem zahlenmässig zweitstärksten Volk der über 420 Stämme Indiens. Erst vor Kurzem wurden in einem Dorf etwa 180 neue Christen im Fluss getauft. Einer von ihnen ist Theru Bhai. «Als ich Christus in mein Leben gelassen hatte, hörte ich auf zu trinken, zu rauchen und mich zu prügeln», berichtet Theru. «Die Taufe war meine Art, dem Dorf zu zeigen, dass ich ein veränderter Mensch bin. Heute ist Jesus Christus mein Retter.»

Die Bhil, die hauptsächlich von der Landwirtschaft leben, sind von Geburt an dem Hinduismus zugewandt. Daher ist Shur begeistert von dem, was er erleben darf: «Familien hören auf, ihre Ahnen anzubeten, sie lassen den Alkohol und die Hexerei zurück. Ihr gesamtes Leben wird auf den Kopf gestellt, wenn sie Jesus annehmen. In 22 Dörfern treffen sich 42 Gebetsgruppen. Aus unserer Gemeinde ziehen außerdem 32 Mitarbeiter von Dorf zu Dorf, um das Evangelium weiterzugeben», berichtet Shur. Indien - Ein Mann führt Tausende zu Jesus - Livenet

 

Die schlichte Darstellung von Gottheiten überrascht uns in Indien immer wieder.


Eine Opferstätte der Bhil bei Mandu für die Alkohol trinkende Göttin "Kal Bhairawiti" mit Stein-Soldaten als Wächter.
Sie ist auch die Beschützerin der nahe gelegenen Stadt Ujjain -
bezeichnend war, dass am Abend die meisten Bhilmänner betrunken waren vom selbst hergestellten Alkohol aus Mahua-Blüten.

Typische Gottesdarstellungen bei den Adivasi am Beispiel der Birhor:

Birhor nennen die erste ihrer Gottheiten Devi und halten sie für die Mutter aller andern Götter. Die bösen Geister nennen sie Biru bhut und Darha.
Biru wird unter der Gestalt einer Halbkugel angebetet.
Darha in der Form eines drei Fuss hohen gespaltenen Bambus, schief in die Erde gesteckt.
Ein kleines, rundes Stück Holz, etwa einen Fuß lang, an einem Ende rot bemalt, ist Banhi die Göttin der Wälder.
Die Beschützerin der Erde ist Lugu, welche im höchsten Berge Ramgarhs wohnt.
Ein längliches, rotbestrichenes Holz ist Maya-Maya, die Tochter der Devi.
Ein kleines weißes Steinchen, rot angestrichen, stellt deren Enkelin Buria Mai dar, und
eine Pfeilspitze
ist Dudha Mai, Burias Tochter.
Ein Dreizack rot angestrichen, steht für Hanuman, den Affenkönig. ("Zeitschrift für Ethnologie" - Internet Archive) -

Tribal Gods and Festivals in Central India Ein EBook - Project Gutenberg Volume I (of IV), by R.V. Russell, 1916, eine umfassende Beschreibung der Kasten, Volksstämme und Religionen Mittelindiens.

 

 

7. Die Yogini, urtümliche Mutter-Göttinnen

Zu den urtümlichen Gottheiten, die Eingang in das Pantheon des Hinduismus gefunden haben, gehört neben Rudra (Teil I des Reiseberichtes) auch eine Gruppe weiblicher Gottheiten, die Yoghini.
Die Yogini (42, 64 oder 81) stehen eng in Zusammenhang mit ländlichen dämonischen und tantrischen Denkvorstellungen und Fruchtbarkeitskulten und somit auch mit der Gruppe der „Sieben“, „Acht“ oder gar „Neun Mütter“ (matrikas).

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Im Gegensatz zur schönen Körperlichkeit der Yogini stehen die oft furchterregenden Gesichter, die Begleitfiguren und Elemente, die mit dem Totenkult in Beziehung stehen.
Eine Yogini hat offensichtlich einen Menschen als "Reittier".

 

Die Yogini sind als Göttinnen und Begleiterinnen der großen Göttin zu verstehen. Ihre Wurzeln sind in der frühen Verehrung weiblicher Wesen als Mutter Erde bzw. als Dorfgöttin zu suchen, deren Kult zunächst in der patriarchalischen Gesellschaft in der Phase der Herausbildung des Hinduismus gänzlich zurückgedrängt wurde, aber im Volkskult fortlebte.

Heute sind es ganz überwiegend Frauen, die im Rahmen von Puja-Zeremonien die Yogini-Tempel aufsuchen; dabei werden in einem Rundgang meist alle Yogini mit ein paar Tropfen Milch oder Wasser bespritzt oder mit Blüten geschmückt.

Die Yogini-Tempel befinden sich in Gegenden, die früher schwer erreichbar waren. Auch hier bei Bheraghat, etwa 20 km von Jabalpur entfernt, liegt der Tempel abseits auf einem Berg. Eine lange Treppe führt zum Tempel hinauf, der hoch über dem Narmada-Tal liegt. Mit seinem Durchmesser von 370 m ist es der größte Yogini-Tempel. Im Innern befindet sich eine weite kreisrunde Hoffläche mit einem Shiva-Tempel (Gauri-Shankar-Mandir) mit Vorhalle (mandapa) und Turmaufsatz (shikhara). Er wurde Ende des 10. Jahrhunderts erbaut. Die Statuen in den Nischen des Kolonnadenganges sind leider alle beschädigt. Die Yogini sitzen auf einem Thron, was ihre göttliche Position andeutet und sind etwas über Lebensgröße hoch. Jede der Yogini trägt einen Heiligenschein und hat vier bis 18 Arme. Um den Thron herum gruppieren sich Begleitfiguren.

Die Struktur eines Yogini-Tempels weicht völlig von der eines üblichen indischen Tempels ab, dessen Mittelpunkt die meist quadratische Cella mit dem Bild der Hauptgottheit des Tempels darstellt und über der sich der Tempelturm erhebt. Kiss of the Yogini: "Tantric Sex" in its South Asian Contexts

 

8. Hirse und Reis

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Fingerhirse, Rispenhirse und Reis, der nach der Ernte schon wieder gekeimt ist, aber untergepflügt wird.

In einem Thakur-Dorf erklärt ein Bauer uns die Feldfrüchte, die er anbaut. Die Fingerhirse (ragi, Eleusine coracana) ist seit 5000 Jahren in Indien zuhause; sie endet in einer Ähre mit 5-7 Einzelähren. Die Rispenhirse wird etwa 1 m hoch, braucht nur 2 Monate bis zur Reife und verträgt Trockenheit. Die Körner können ein Jahr gelagert werden. Das Mehl wird meist für Fladenbrot (Chapati) oder als Brei genutzt. Der Bauer erklärt, dass die Rispenhirse (Vari in Hindi, Panicum miliaceum) meist in Fastenzeiten gegessen werde. Von den übrigen vorgestellten Früchten kennen wir nur Ladyfinger (Okra, Abelmoschus esculentus).

 

Reisernte Anfang November

Reis ist Indiens Grundnahrungsmittel. Nur Zuckerrohr und Mais (vorwiegend als Tierfutter) werden in noch größeren Mengen produziert. Eine Reispflanze kann bis zu 30 Halme ausbilden, die über 50 cm hoch werden und je eine Rispe mit 80 bis 100 Ährchen tragen. Damit kann eine Pflanze bis zu 3000 Körnerfrüchte tragen. In Mittelindien wurde 8000 Jahre alter Reis gefunden. Indien liegt an zweiter Stelle hinter China als größter Reisproduzent in der Welt. Es sind 2 bis 3 Ernten pro Jahr möglich, wobei der Nassreis erheblich höhere Erträge bringt als der Trockenreis in den Gebirgen. Nach dem Dreschen wird der Reis getrocknet, um die Deckspelzen in einer Reismühle entfernen zu können. Dieser sogenannte ungeschälte Vollkornreis wird durch Abschleifen zum weißen Reis.

Weltweit gibt es mehr als 120.000 Reissorten.

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Das Trocknen von Reis auf dem Feld, das Dreschen von Reis durch Aufschlagen und das Worfeln (Trennung der Spelzen von den Körnern)

Herr, lass es regnen in diesem Land,

wo Wasser stinkt nach Mord,

wo man Zuckerrohr und Jute erntet in Feldern der Gewalt,

wo, Herr, solange es dich gibt, Ekel verboten ist.

Herr, lass es regnen in diesem Land,

wo eine Gesellschaft man züchtet aus menschlichem Dünger,

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Herr, lass es regnen in diesem Land,

wo sogar Hungersnöte einige wenige reicher machen,

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Herr, lass es regnen in diesem Land,

denn es ist hier, wo die Übersatten singen

und die Hungernden in deren Lied einstimmen,

wo Ernten und Hungersnöte fröhlich zusammenleben.

Herr, lass es regnen in diesem Land.

 


Palmsaftgewinnung; kleine Bienen (Apis Indica) am Stamm

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Große Bienenwaben im Fels von Bhimbetka und Riesenhonigbiene (Apis dorsata), die Wasser holt.


Shembu Onkel, dieses Gras füllt nicht den Magen

Was sollen wir tun?

Wir schneiden das Gras und bringen es heim

Wir dreschen das Gras und essen den Samen.

Wir mahlen den Samen und

essen ihn gekocht -

unser Magen ist nicht gefüllt.

Wo, o wo ist die Getreide-Königin (jowar),

sag mir, wo sie lebt.

P. Anjayya, * 1974, vom Stamm der Koya im Godavari-Tal.
Aus: Stimmen der Adivasis, Bonn 2001

 

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Am Strand des Arabischen Meeres bei Bordi und Reisfeld mit Wäscherin

 

Eine verdreckte Sonne taucht hinter den Textilfabriken auf.
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Ich atme das Schwefeldioxyd ein, das die Bombay Gas Company ausstößt,
gemischt mit Baumwollfuseln und Kohleteilchen ausgesondert von den Fabriken
die Millionen Lenden bekleiden.
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Die Lautsprecher dröhnen mich an.
Wanzen beißen mich. Kakerlaken hängen mir um die Seele herum.

Aus: Der Blick von Chinchpokli (Dilip Chitre, 1938-2009)
Dilip Chitre - poems – PoemHunter.

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Banjari-Nomaden, die mit ihren Schafherden durch Madhya Pradesh ziehen, obwohl sie ursprünglich aus Rajasthan stammen.

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Cartoons von Vikram Nayak zur rücksichtslosen Ausbeutung der Natur durch Regierung und Industrie

 

9. Die Dalit-Literatur (seit 1970)

 

Ich lach. Ich wein. Ich zünde Kerzen an. Trink Alkohol.

Die Augen noch schmutzig von Liebe.

Der Mund verdreckt von Gesang.

Gedichte wachsen wie Läuse mir im Haar
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Einer sagte, Asien steht in Flammen.
Ein Andrer, es wird aufwärts gehn mit Indien.

Draußen lag Bombay wie Erbrochenes.
Phosphoreszierend in der Nacht.

aus: BOMBAY/MUMBAI: (Henning Stegmuller, Chitre, Namdeo Dhasal)

 

Die Bewegung hat einen außerordentlich innovativen Dichter wie Namdeo Dhasal in Marathi hervorgebracht, und sie wurde bereichert durch die Beiträge von Dichtern, die meist in ihren Muttersprachen auf Kannada, auf Telugu, auf Tamilisch, in Hindi, in Punjabi, in Marathi, auf Gujarati schreiben und Werke ins Englische übersetzen.

Die Dalit-Dichter entwickelten eine eigene Ästhetik, die sich nicht selten gegen die Abwertung von traditionellen Poetiken ausspricht, wenn sie Ausdrücke verwenden, die früher als gramya (bäuerlich), chyutasamskara (kulturell verdorben) und ashleela (obzön) verpönt waren, und wenn sie durch dhwani (Andeutungen) und ouchitya (Korrektheit) Regeln und Normen in Frage stellen. Sie führten in die Dichtung einen kompletten Wortschatz voller lokaler Dialekte, Slangs, Gossensprache und kaum bekannten Redewendungen und Worten ein.

Anthologien wie Poisoned Bread (Marathi-Dichtung, hrsg. von Arjun Dangle, Orient Blackswan, 2009) No Alphabet in Sight, Steel Nibs Are Sprouting (mit südindischer Dalit-Literatur, hrsg. von K. Satyanarayana und Susie Tharu, Harper Collins, 2011, 2013), Ekalavyas with Thumbs (Gujarati Dalit-Literatur, hrsg. von K.M. Sheriff, Pushpam, Ahmedabad, 1999), The Oxford India Anthology of Malayalam Dalit Writing und The Anthology of Tamil Dalit Writing (verschiedene Herausgeber OUP, 2012) verschafften der Dalit-Literatur nationale und internationale Aufmerksamkeit.

Aufstände und Revolten gegen die britische Herrschaft in Indien ...

 

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Baiga-Frau, Banjari-Nomade, Bhil-Kinder und Gond-Frau

I. Teil: Chhattisgarh, Bei den Adivasi, den Ureinwohnern Mittelindiens, 2016

II. Teil: Reisestationen in Madhya Pradesh und Maharashtra, 2016

Fr. 28.10. Yoghini-Tempel von Bedaghat, Marmorfelsen, Lamhta-Ghat, Ashram Gori-Ghat,
Pipariya-Dorf: Frauen streichen für Diwali die Hauswände blau, grün, rosa und weiß, die Vorplätze werden mit Kuhdung geglättet.

Sa. 29.10. Zuckerrohr, die Berge und Höhlen von Pachmarhi / Hotel Glen View
So. 30.10. Honigjagd, die Höhlen von Bhimbetka

Mo. 31.10. Sanchi, das buddhistische Pilgerzentrum aus dem 3.Jh. v. Chr.
Dorf Soljai: Die Kuhdungfiguren vor den Häusern zum indischen Lichterfest Diwali/Deepavali
Bhopal: Moschee Tajull, Noor-Us-Sabah Palace

Die. 1.11. Birla-Tempel, Tribal-Museum
Harsiddhu-Tempel Ram-Ghatstay in Ujjain, Hotel Shipra

Mi. 2.11. Mahakaleshwar-Tempel, Ganesh-Tempel, Kalbairav-Tempel
Mandu-Dörfer der Bhil, Ritualplätze, Baobabs, Mandu-Malwa Resort

Do. 3.11. Wochenmarkt der Bhil, Baumwolle, Banjari-Nomaden, Ambad Nashik, 600 m hoch
Fr. 4.11., Dorf der Kokani/Kokana, Dorf der Thakur Bordi, Hill Zill Resort, Diwali-Abenddisko
Sa. 5.11., Warli Toddy, Dorf Ganjad – Dahanu – Palghar, Dorf Sarrani, Dorf Eaina, Malerbesuche

So. 6. 11.: Staudamm, Dorf Kumze, Markt in Udhova, Dorf Saywan, Markt Kasa, Silvassa Tribalmuseum
Mo. 7.11: Erholung mit Schwimmbad

Die. 8.11. Flug Mumbai 02:55 – FRA 7:20 (8,5 Std) - Bocholt 11.20, 2° C.

Berichte zu unseren früheren Reisen durch Mittelindien:
Bei den drawidischen Volksstämmen im westlichen Indien, 1996, 2003, 2005, 2006 -
Nördliches Orissa - Chhattisgarh - Südliches Orissa

Ins Innere Indiens: vorgeschichtliche Höhlenmalereien, frühbuddhistische Mönchshöhlen, Ureinwohner und das Fest der Farben, 2003

Homepage: Völker u. Kulturen